[Hörbuch-Rezension] Karl Olsberg: Delete

Titel: Delete

Autor: Karl Olsberg

Reihe: SEGI, Teil 1

Genre: Thriller

Verlag: Hörbuch Hamburg Verlag
Spieldauer: 11 Std. 49 Min. (ungekürzt)
Sprecher: Rainer Fritzsche
Erscheinungsdatum: 11.11.2013

Mina spielt mit Begeisterung ein Online-Rollenspiel. Als während eines Raids ein befreundeter Mitspieler verschwindet, kommt ihr das etwas seltsam vor, zumal er kurz vor seiner Inaktivität die Worte benutzt hat „Welt am Draht, alles ist wahr“. Als sie ihn in der realen Welt aufsuchen will, stellt sich heraus, dass er tatsächlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Mina recherchiert ein wenig im Internet und findet heraus, dass bereits vier Spieler unter ähnlichen Umständen verschwunden sind.
Bei der Polizei will man ihr zunächst nicht glauben, da es keine weiteren Zusammenhänge der Vermisstenfälle untereinander gibt. Mina stößt durch Zufall auf einen Mitarbeiter der Sonderermittlungsgruppe Internet – kurz SEGI -, der selbst in besagten Rollenspiel aktiv ist. Er kann seinen Chef, Kommissar Eisenberg, schließlich überreden, weiter zu ermitteln. Doch dann verschwindet auch Mina spurlos. Wurde sie wie die anderen tatsächlich „gelöscht“?

Karl Olsberg ist einigen von euch vielleicht wegen seiner Würfelwelt-Romane (Minecraft) ein Begriff. Diese kenne ich nicht, aber einige andere Bücher von ihm habe ich bereits gelesen und fand sie interessant. „Delete“ habe ich vor ein paar Jahren bereits gehört, und da es mich damals sehr beeindruckt hat, habe ich es mir ein weiteres Mal vorgenommen, als Vorbereitung auf den zweiten Teil der SEGI, „Enter“.

Neben dem Technik-Thema des Thriller (Ist die Welt, wie wir sie erleben, real, oder leben wir in einer Simulation, die von Admins gesteuert wird) spielt die Chaos-Truppe um Kommissar Eisenberg eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Romans. Die SEGI besteht aus – zugegebenermaßen etwas klischeehaft dargestellten – „verkrachten“ Existenzen: ein Hacker (dick und unordentlich), ein hochbegabter Nerd (mit Asperger-Syndrom) und eine Psychologin (die keine Lust hat, mit realen Patienten zu arbeiten). Ergänzt wird die Gruppe von einem Polizisten, der hyperkorrekt alle Vorschriften befolgt und dadurch ständig mit seinen Kollegen aneinandergerät. Diesen Trupp soll Kommissar Eisenberg, mehr oder weniger strafversetzt zur SEGI, zu einer funktionierten Ermittlungsgruppe zusammenführen, die letzte Chance vor der Auflösung und Entlassung der Mitarbeiter.

Diese Charaktere sind einfach nur toll und lebendig dargestellt, keine Nullachtfünfzehn-Ermittler, sondern Figuren mit ganz eigenem Charme. Im Laufe der Ermittlungen kann dann auch jeder seine eigenen Stärken unter Beweis stellen, und überrascht damit so manchen Vorgesetzten.

Der eigentliche Kriminalfall ist ebenfalls spannend dargestellt, besonders die Einblicke in Zentrale des Online-Spiele-Entwicklers sind interessant. Das Buch als Thriller zu bezeichnen, finde ich aber doch etwas übertrieben. Überhaupt stimmt das ganze Thema schon etwas nachdenklich, was zum Beispiel den Umgang mit persönlichen Vorlieben im Spiel und den entsprechenden Konsequenzen, die der Spielehersteller daraus zieht, betrifft. Mir selbst ist das Thema ein bisschen zu detailliert umgesetzt, aber das ist nur geringe Kritik.

Dass Karl Olsberg durchaus Humor hat, wird deutlich, als er einen Autor („Ole Karlsberg“) als kleine Nebenfigur auftreten lässt, der ein wenig pikiert ist, als ihm nicht die nötige Aufmerksamkeit zu teil wird. Sympathisch, wenn sich ein Schriftsteller selbst ein wenig auf die Schippe nehmen kann.

Den Sprecher Rainer Fritzsche kannte ich (bewusst) bisher nicht, aber er hat mir wirklich gut gefallen.

Fazit: Ein gewisses Technik-Interesse vorausgesetzt, ist das (Hör)Buch wirklich toll. Ich freue mich auf die Fortsetzung mit der SEGI!

Gerngelesen: 📚📚📚📚📚 von 5

 

3 Gedanken zu „[Hörbuch-Rezension] Karl Olsberg: Delete

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