[Rezension] J. Vellguth: Das Päckchen

Titel: Das Päckchen

Autor: J. Vellguth

Genre: Liebesroman

Verlag: Indie

Seitenzahl der Printausgabe: 336 Seiten

Erscheinungsdatum: 21. April 2017

 

Als Emmas Arbeitsplatz, eine Kinderbibliothek, einem Wasserschaden zum Opfer fällt, fasst sei einen Plan. Mit ihrem kleinen Youtube-Kanal will sie zu einer Spendenaktion aufrufen, die nicht nur ihr den Job, sondern auch den Kindern ihre Bücher erhalten soll. Überraschend erhält sie Unterstützung von einem Unbekannten, der ihr ein Päckchen schickt mit Fanartikeln ihres Lieblingsautors. Diese darf sie auf ihrem Kanal verlosen, um mehr Geld einzunehmen. Doch wer ist dieser Lukas, und warum hat er so gute Kontakte zu Emmas Lieblingsschriftsteller?

„Das Päckchen“ ist bereits das zweite Buch von Jacky Vellguth, das ich lese. Einen etwas ausführlichen Bericht zum Werdegang der Selfpublisherin findet ihr bei unserer Rezension zu „Die schönste Zeit des Jahres“. Diesmal war ich neugierig, ob man Veränderungen feststellen kann, nachdem die Autorin sich mit ihrem neuen Werk deutlich mehr Zeit gelassen hat, als bei ihrer damaligen Aktion, in deren Rahmen sie jeden Monat ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. Und so ist es wirklich. Dieses neuer Roman gefällt mir deutlich besser als das Weihnachtsbuch, hat mehr Tiefe und variantenreichere Charaktere. Mit anderen Worten, ich finde es weniger seicht als das erste. Ich habe es mir direkt am ersten Tag heruntergeladen und dank einer längeren Zugfahrt am Wochenende die Hälfte sofort durchgelesen. Das spricht ja schon mal für sich, oder?

Natürlich ist die Handlung genretypisch nicht sonderlich ausgeprägt. Ein bisschen mehr Spannung hätte sich vielleicht einbauen lassen, wenn nicht von vornherein klar gewesen wäre, das Lukas und der von Emma angehimmelte Autor Richard Taylor ein und dieselbe Person sind. Und, nein, ich spoilere hier nicht, denn das dürfte wirklich jedem nach den ersten Kapiteln klar sein.

Die Hauptfiguren Emma und Lukas sind facettenreich beschrieben, und haben beide eine schwierige Vergangenheit. So litt etwa Emmas Mutter vor ihrem Tod unter Alzheimer, und auch Lukas hat mit verschiedenen persönlichen Problemen zu kämpfen. Das gefällt mir gut und macht die Freude über das Happy End beim Leser auch größer.

Der Schreibstil von J. Vellguth ist flott und modern – mit einem Problem. Vielleicht spricht es ihre Leserschaft an, aber in meinen Augen verwendet sie massiv zu viele blumige Adjektive. Ihre Beschreibungen der Gefühlswelt der beiden Protagonisten finde ich maßlos übertrieben. Da ist z. B. die Rede von einem Herz, das zur Wassermelone anschwoll oder zur Erdnuss schrumpfte. Ein Zitat: „Eine Brausetablette plumpste in den glitzernden Ozean ihres Magens, sprudelnd goldener Schaum füllte ihre Brust, kitzelte in ihrer Lunge, an ihrem Herz vorbei, durch ihren Hals und prickelte bis hinauf in ihre Lippen.“ Sorry, aber das ist einfach zu viel für mich!

Noch ein Punkt hat mich etwas nachdenklich gemacht. Der Roman richtet sich an junge Frauen, und die Autorin bezeichnet ihre Bücher denn auch als romantisch-modern. Aber ich frage mich, wie werde ich ein solche Lektüre in fünf oder zehn Jahren finden, wenn es vielleicht keine „Booktuber“ oder „Hangouts“ mehr gibt, und niemand „Hacky Sack“ spielt. Sicher trägt die Verwendung solcher Begriffe dazu bei, dass das Buch im Moment modern auf die Leser wirkt. Aber so ein wenig hat es für mich damit auch ein Verfallsdatum. Das ist aber natürlich nur meine ganz persönliche Sicht, die mir beim Lesen gekommen ist.

Fazit: Nette, unterhaltsame, leichte Liebesgeschichte in modernem Setting, genau das Richtige für eine langweilige Zugfahrt 😉. Lediglich die vielen blumigen Adjektive in den Beschreibungen trüben für mich den Lesegenuss. Deshalb ein Punkt Abzug.

Gerngelesen: 📚📚📚📚 von 5

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