Das Mädchen auf den Klippen – Zu viel Drama mit blassen Figuren

„Das Mädchen auf den Klippen“ trifft Bildhauerin Grania, als sie sich nach einem Schicksalschlag zu ihren Eltern nach Irland zurückzieht. Leider verfällt das Familiendrama zunehmend in Klischees und eindimensionale Charaktere.

Lucinda Riley - Das Mädchen auf den KlippenTitel: Das Mädchen auf den Klippen

Autor: Lucinda Riley

Genre: Familiendrama

Verlag: Goldmann/E-Book

Seiten: 464

Erscheinungsjahr: 2012

 

Ich habe mir „Das Mädchen auf den Klippen“ für unser Genre des Monats Juli, den Familienroman, ausgesucht. Von Lucinda Riley habe ich schon einige Bücher gelesen und rezensiert und mochte sie immer gerne. Da wollte ich die Gelegenheit nutzen, mit diesem Roman meinen virtuellen Stapel ungelesener Bücher etwas zu verringern. Leider hat es mir im Laufe der Lektüre immer weniger gefallen. Aber alles der Reihe nach:

Ein Blick in die Vergangenheit

„Das Mädchen auf den Klippen“ ist die achtjährige Aurora, die mit ihrem Vater zurück an die irische Steilküste von Dunworley Bay zieht. Vor wenigen Jahren erst hat ihre Mutter sich dort das Leben genommen. Obwohl Auroras Geschichte alle Fäden miteinander vereint, ist die Hauptfigur aber die Bildhauerin Grania. Nach einer Fehlgeburt und einem Streit mit ihrem Partner sucht sie Zuflucht bei ihrer Familie und trifft dort auf Aurora. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, obwohl Granias Mutter ihr zunächst rät, sich von der Familie des Mädchens fernzuhalten. Im Laufe des Romans gibt es verschiedene Rückblenden zu Handlungssträngen in der Vergangenheit, die weitere Teile der Familiengeschichte aufdecken.

Die Ausgangssituation ist eigentlich typisch für ein Familiendrama: Eine junge Frau, die sich nach einem tragischen Ereignis zu ihrer Familie zurückzieht. Ein Kind, das durch seine altklugen Kommentare wesentlich älter wirkt und mit seinem Charme rasch alle um den Finger wickelt. Das sind etwas klischeehafte Charaktere, aber es entsprach meinen Erwartungen und hat mir nicht schlecht gefallen. Zu Anfang fand ich die Geschichte recht spannend und leicht zu lesen. Insbesondere die Rückblenden in die Vergangenheit, zum Beispiel zu einer Vorfahrin in der Zeit des ersten Weltkriegs, sind abwechslungsreich und tragen zum „Drama“ des Genres bei.

Wirre Handlung & zu viele Klischees

Leider hatte ich den Eindruck, dass diese Entwicklung in der zweiten Hälfte des Buches umschlägt: Die Handlungsstränge werden immer wirrer miteinander vermischt und obwohl es gute Ideen gibt, wurden viele davon nicht weiter verwendet, sondern laufen ins Leere. Aus meiner Sicht gibt es hier einfach zu viele Konflikte zugleich, die gelöst werden wollen. Manche Entwicklungen fand ich sehr vorhersehbar und einige dagegen dann wieder sehr plötzlich, aber mehr auf eine verwirrende als auf eine spannende Weise.

Und nicht zuletzt störten mich gegen Ende hin auch die Charaktere immer mehr: Grania wird als nahezu perfekt dargestellt, einzig ihr Stolz steht ihr im Weg. Immer wieder gibt es Aussagen von anderen Charakteren, die sie als außergewöhnlichen Menschen beschreiben. Ich dagegen finde sie ziemlich blass. Dass sie sich um Aurora kümmert, nachdem ihr eigener Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ist zwar einleuchtend, aber auch nicht ungewöhnlich. Ihr Ex-Freund Matt ist dagegen viel zu naiv und Aurora selbst – na ja, ich habe schon geschrieben, dass ihre Figur typisch für einen solchen Roman ist. Trotzdem finde ich es teilweise übertrieben, wie sie ihr Umfeld fasziniert, damit die Probleme von allen Beteiligten löst und keine Konsequenzen spürt, egal was sie tut.

Die neueren Romane sind spannender

„Das Mädchen auf den Klippen“ hat mich also eher enttäuscht. Die Charaktere sind zu klischeehaft und die interessanten Chancen, die die Geschichte bietet, werden nicht richtig genutzt. Insbesondere das Ende hat mir gar nicht gefallen, dazu möchte ich aber nichts spoilern. Ich würde euch den Roman aber nicht empfehlen. Wenn ihr Lust auf ein spannendes Familiendrama habt, dann greift lieber zu einem neueren Buch von Lucinda Riley.

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