Anspruchsvoller Politthriller von Arvid Heubner

Eine Gruppe junger Mädchen wird bei einem Schulausflug vermisst. Nur eins taucht wieder auf, die anderen findet man gemeinsam mit ihrem Lehrer tot in einer Höhle. Was zunächst wie ein Amoklauf wirkt, führt uns in die Tiefen der politischen Intrigen. Tolles Debüt von Arvid Heubner.

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir als Ebook über NetGalley zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Cover zur Arvid Heubner: Mitten im kalten WinterTitel: Mitten im kalten Winter

Autor: Arvid Heubner

Reihe: Tinus Geving, Teil 1

Genre: Thriller

Verlag: Knaur

Seitenzahl der Printausgabe: 532 Seiten

Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2017 (Neuausgabe)

Sechs junge Mädchen, Abiturientinnen eines Eliteinternats, unternehmen gemeinsam mit ihrem Lehrer einen winterlichen Wochenendausflug. Nur eine von ihnen taucht wieder auf, alle anderen Personen findet man später tot in einer Höhle. Zunächst sieht es so aus, als sei der Lehrer der Schuldige, habe die Mädchen und dann sich selbst getötet. Aber nichts ist, wie es scheint. Das muss auch Tinus Geving erfahren, der mit den Ermittlungen beauftragt wird – und wird mit einem Sumpf aus Intrigen, Machtkämpfen und Korruption konfrontiert.

Die Handlung beginnt sehr spannend und sieht zunächst nach einem normalen Kriminalfall aus. Die Ermittlungen im Eliteinternat gestalten sich allerdings schwierig, da Tinus Geving auf eine Mauer des Schweigens stößt. Als ihn eine der Schülerinnen jedoch in die Grausamkeiten einweiht, die hier geschehen, wird schnell klar, dass die ganze Geschichte viel größere Ausmaße hat, als zunächst angenommen. Geving findet unter anderem heraus, dass der Lehrer ein ehemaliger Elite-Biathlet war. Aber auch hier werden seine Ermittlungen durch eine geheime und zur Verschlusssache erklärte Akte erschwert.

Komplex und anspruchsvoll

Der gesamte Roman ist äußerst komplex und anspruchsvoll. Den vielen vorkommenden Personen, insbesondere den involvierten Politiker, zu folgen, ist nicht immer ganz einfach. Hinzu kommen verschiedene Stilmittel, die der Autor Arvid Heubner einsetzt, so z. B. SMS-Nachrichten, bei denen nicht immer klar ist, von wem sie kommen. Dies ist durchaus gewollt und trägt zu der verwickelten und undurchsichtigen Atmosphäre des gesamten Thrillers bei. Der Leser ist hier aber gefordert. Ein Überblättern rächt sich schnell, indem man der verzwickten Handlung dann nicht mehr folgen kann.
Man wird jedoch mit einer sehr interessanten Geschichte belohnt, die aktuellen Bezug hat. Bei einigen Dingen möchte man eigentlich nicht hoffen, dass sie so oder ähnlich Realität sein könnten, befürchtet es aber leider doch.

Auch die Figur des Tinus Geving ist vielschichtig, denn dieser hat ein traumatisches Erlebnis in seiner Vergangenheit zu verarbeiten. Er hat früher für Europol gearbeitet und bei einem Bombenanschlag Kollegen und Freunde verloren. Diese Vorgeschichte wird im weiteren Verlauf der Handlung noch eine wichtige Rolle spielen.

Intrigen, Machtkämpfe und Korruption

Der Roman nimmt dem Leser jegliche Illusion im Bezug auf Politiker, so zersetzt ist das ganze Geflecht von Politik und Wirtschaft mit Intrigen, Machtkämpfen und Korruption. Nie geht es um die Wahrheit, sondern stets nur um den eigenen Vorteil. Arvid Heubner versteht es meisterhaft, diese Zusammenhänge mit schonungsloser Offenheit zu verdeutlichen und dabei trotzdem eine spannende Thrillerhandlung unterzubringen. Lediglich über manch sexuelle Handlung hätte ich persönlich gerne weniger gelesen.

Leider gibt es aber auch einige Längen im Buch. So sind insbesondere manche politischen Debatten sicher informativ, aber doch etwas zu ausführlich gehalten und bremsen die Handlung etwas aus.

Es handelt sich hierbei um das Debüt des Autor Arvid Heubner, der diesen Thriller zunächst als Selfpublisher herausbrachte, bevor er eine Überarbeitung beim Verlag erlebte. Sehr beachtlich! Eine Fortsetzung mit Tinus Geving wurde angekündigt. Zudem gibt es ein weiteres (kürzeres) Buch, in dem die Vorgeschichte des Protagonisten bei Europol erzählt wird: „Der Kuckuck ruft in den Weiten“.

Fazit: Anspruchsvoller und spannender Politthriller mit kleineren Längen, der nicht ganz einfach zu lesen ist. Beeindruckendes Debüt des Autors! Empfehlung!

Ihr könnt das Buch zum Beispiel hier bei Thalia kaufen.

Gerngelesen: 📚📚📚📚 4 von 5

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