[Rezension] Tim Erzberg: Hell-Go-Land

hellgoland
Titel: Hell-Go-Land

Autor: Tim Erzberg

Genre: Thriller

Verlag: HarperCollins, Taschenbuch und ebook

Seitenzahl der Printausgabe: 400 Seiten

Erscheinungsdatum: 22.08.2016

Anna tritt ihren Posten als stellvertretende Leiterin der abgelegensten Polizeistation Deutschlands an – auf Helgoland, ihrer Heimatinsel, der sie vor Jahren den Rücken gekehrt hat. Damals hat ein dunkles Ereignis ihr Leben zerstört, nun will sie die bösen Geister der Vergangenheit in den Griff bekommen. Am ersten Tag auf der Insel erhält sie eine SMS von einer unbekannten Nummer, die noch harmlos klingt. Unheimlicher ist da schon das Päckchen, das am ersten Arbeitstag zur Begrüßung für sie ankommt. Es bleibt nicht das Einzige und Anna muss mit ihren Kollegen ermitteln. Jemand weiß, dass sie wieder da ist, und lässt ihr keine Ruhe…

„Helgoland ist so aufregend wie ein toter Fisch im Watt“ sagt Annas Kollege zu Beginn des Buches. Doch ganz so läuft es für Anna nicht, als sie wieder auf ihre Heimatinsel kommt. Da Orkan herrscht, kann die Fähre nicht übersetzen. Helgoland ist von der Außenwelt abgeschlossen. Diese beklemmende Enge und Abgeschiedenheit trägt maßgeblich zur Atmosphäre des Thrillers bei. Wahrlich die richtige Lektüre für ungemütliche Herbsttage.

Lange bleibt Annas Vergangenheit rätselhaft. Hinweise gibt es lediglich in kleineren Tagebucheinträgen. Erst zur Mitte des Thrillers hin wird das Geheimnis gelüftet. Doch auch dann durchschaut der Leser noch längst nicht alle Zusammenhänge, auch wenn ich den Täter bereits erahnt habe. (Allerdings habe ich dafür wohl wirklich ein besonderes Gespür 😉.) Über mangelnde Spannung konnte ich mich nicht beklagen. Auch die eingestreuten kurzen Passagen, in denen man dem Täter sozusagen über die Schulter sieht, tragen dazu bei. Lediglich die Auflösung am Ende fand ich etwas verwirrend, vielleicht wurden hier auch zu viele Nebenplots eingefügt. Aber das ist ja auch Geschmackssache.

Anna selbst ist „eine komplexe Persönlichkeit mit psychischem Defekt, basierend auf einem seelischen Trauma“, wie sie von der Inselärztin charakterisiert wird. Ausdruck dieser Probleme sind sicherlich ihre starken Migräneanfälle, die immer wieder ihr Handeln beeinflussen und denen sie sogar einen Namen gibt, um sie besser zu verarbeiten. Manchmal für meinen Geschmack etwas zu übertrieben dargestellt. Jedoch sind auch die anderen Charaktere lebendig geschildert und tragen zur spannenden Atmosphäre bei.

Übrigens verbirgt sich hinter dem Pseudonym „Tim Erzberg“ der Münchner Literaturagent Thomas Montasser.

Von mir gibt es also eine klare Leseempfehlung. Trotz kleinerer Defizite fand ich die Story sehr spannend und habe das Buch in recht kurzer Zeit durchgelesen.

Gerngelesen: 📚📚📚📚 von 5

Ich möchte an dieser Stelle noch eine Warnung aussprechen. Auch wenn man gerne Thriller und Krimis liest, so hat doch manch einer vielleicht ein Thema, das für ihn persönlich  ein No-Go ist. Da es sich hierbei um etwas in Annas Vergangenheit handelt, habe ich das Thema in einen Spoiler gepackt.

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Vergewaltigung, recht detailliert geschildert

 

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