Emma Schumacher ermittelt – Zwanziger-Jahre-Krimi von Andrea Instone

Das Fräulein Schumacher begibt sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater, seines Zeichens Archäologie-Professor in Bonn – Zwanziger-Jahre-Krimi mit Vintage-Charme von Andrea Instone

Cover zu Emma Schumacher, Teil 1 von Andrea InstoneTitel: Emma Schumacher & der verschwundene Professor

Autor: Andrea Instone

Reihe: Emma Schumacher, Teil 1

Genre: historischer Kriminalroman

Verlag: Indie

Seitenzahl der Printausgabe: 282 Seiten

England 1926. Emma Schumacher wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei der Großmutter in England auf. Ihr Leben dort ist sehr behütet, aber auch recht langweilig. Eines Tages erhält sie einen Brief ihres Vaters, Archäologie-Professor in Bonn, der sie in große Unruhe versetzt. Zu seltsam klingen die Worte des alten Herrn in Emmas Ohren und so entschließt sie sich, gemeinsam mit ihrer Tante nach Bonn zu reisen, um nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen, beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Dabei muss sie nicht nur ihre Schüchternheit überwinden, sondern sich auch mit zwei jungen Herren auseinandersetzen, die um sie werben. Emma stehen ungewohnte und stürmische Zeiten bevor, bis sie schließlich das Rätsel um den verschwundene Professor lösen kann.

Meine erste Leserunde bei LovelyBooks

Zu diesem Kriminalroman bin auch besondere Art und Weise gekommen. Vor einiger Zeit habe ich mich bei LovelyBooks angemeldet. Als ich dort eines Sonntagabends gestöbert habe, fiel meine eine in kürze beginnende Leserunde auf. Ein Kriminalroman, der in Bonn spielt, von einer Indie-Autorin, die die Leserunde begleiten wollte. Perfekt für mich, suche ich doch immer interessante Bücher für meine Indie-Challenge, um dort etwas Abwechslung hineinzubringen. Außerdem lebe ich ja nicht so weit entfernt von Bonn, hatte also ein bisschen etwas von Heimspiel.

Tatsächlich wurde ich für ein kostenloses Ebook ausgewählt und konnte die Leserunde beginnen. Mittlerweile war mir aber aufgegangen, dass ich eigentlich noch genug Lektüre abzuarbeiten hatte, und dann steht ja auch noch die Frankfurter Buchmesse an. Was hatte ich mir da wieder einmal viel zu spontan zugemutet? Aber jetzt musste ich zumindest anfangen, dazu fühlte ich mich gerade gegenüber einer Selfpublisherin verpflichtet. Und, was soll ich euch sagen? Emma hat mich direkt gefesselt! Also habe ich meine andere Lektüre beiseite geschoben und Emma auf ihrer Suche begleitet.

Cover von Emma Schumacher und der verschwundene Professor auf dem Kindle
Das Cover sieht auch in Graustufen ganz schick aus

Ich möchte hier kurz auf das Cover eingehen, denn auch dadurch habe ich  diese Leserunde schließlich bemerkt. Es ist schlicht gestaltet, fällt aber gerade deshalb auf und vermittelt dem Leser sofort einen Eindruck von vergangenen Zeiten. Es handelt sich ja um einen Indie-Titel, weshalb man diesen nicht in der Buchhandlung, sondern online erwerben muss. Aber ich denke, im Laden bräuchte sich dieses Cover keinesfalls zu verstecken. Und auch die Fortsetzung gefällt mir…

Das schüchterne Fräulein Schumacher muss ermitteln

Emma Schumacher ist eine ruhige, etwas schüchterne Figur, die sich im Laufe der Geschichte aber zu Abenteuern hinreißen lässt und ihre eigenen Interessen immer besser zu behaupten lernt. Sie passt gut in die damalige Zeit, denn so stelle ich mir eine wohlerzogene junge Dame in den zwanziger Jahren vor. Auch die anderen Personen sind schön dargestellt und vermitteln eine gute Vorstellung von gesellschaftlichen Zwängen und besonders der Rolle der Frau damals. Dass die Autorin eine Fortsetzung beabsichtigt, zeigt sich in der ausführlichen Anlegung der Protagonisten sowie auch der Nebenfiguren, die liebevoll bis ins Details ausgearbeitet sind. Beispielsweise gibt es einen schönen Briefwechsel Emmas mit ihrer Freundin Daphne du Maurier in jungen Jahren (ihr wisst, die Schriftstellerin, der wie so tolle Werke zu verdanken haben wie „Rebecca“ oder „Die Vögel“) – ein nettes Gimmick, welches den Leser zum Schmunzeln bringt.

Viele liebevoll angelegte Figuren

Neben Emma machen auch viele andere Figuren ein interessante Entwicklung durch, so etwa meine heimliche Lieblingsfigur Sybil, die Tante von Emma. Anfangs eine oberflächliche und egoistische Dame in ihren Dreißigern auf der Suche nach einem reichen Ehemann Nummer 3, entwickelt sie sich im Laufe des Romans zu einer warmherzigen, zufriedenen und selbstständig über ihr Leben entscheidenden Frau. Aber genauso mochte ich auch viele andere Nebenfiguren wie z. B. den Kriminalassistenten Siegfried.

Die Autorin hat zur Familiengeschichte des Fräulein Schumacher eine schöne Website gestaltet. Hier findet man zum Beispiel Emmas Stammbaum zum Nachlesen.

Verwicklungen und Schauplatzwechsel

Aber die Personen sind bei einer Geschichte ja nur ein, wenn auch wichtiger, Teil. Entscheidend für einen spannenden Verlauf ist die Handlung. Und auch hier kann der Roman punkten. Sicher ist die Story von vornherein nicht so effekthascherisch angelegt wie bei einem Thriller. Sie braucht etwas länger, um Fahrt aufzunehmen, aber das ist durchaus beabsichtigt und dient, wie bereits oben erwähnt, natürlich auch dem sorgfältigen Figurenaufbau. Trotzdem versteht es die Autorin geschickt, die Spannung bei der Suche nach dem verschwundenen Professor hochzuhalten. Zum einen durch die Briefe, die Emma erreichen und immer wieder Rätsel aufgeben. Zum anderen aber auch durch die clever gesetzten Szenen verschiedener Personen, die der Leser (noch) nicht kennt, und deren Verstrickung in die Geschichte zunächst verborgen bleibt. Im weiteren Verlauf kommt es aber dann jedoch doch noch zu dramatischen Szenen und, soviel sei verraten, ganz ohne Leiche geht es auch hier nicht ab 😉.

Etwas fehlende Übersichtlichkeit

Nun komme ich aber auch nach so viel Lobeshymnen zu meinem Kritik. Es tauchen recht viele verschiedene Personen in diesem Kriminalroman auf, deren Namen man sich erst einmal merken muss. Wenn es auch noch Personen gibt, die im ersten Teil und dann erst viel später wieder erneut erwähnt werden, hätte ich mir ein besseres Inhaltsverzeichnis gewünscht. Die mit zum Teil wenig aussagekräftigen Überschriften versehen Kapitel wie „August“ oder „Männer“ tragen nicht gerade dazu bei, eine Stelle im Ebook wiederzufinden, wenn man nachlesen möchte, ob der genannte Herr derselbe ist wie aus einem anfänglichen Abschnitt. Zudem sind die Kapitel sehr unterschiedlich lang und spielen auch innerhalb des Kapitels an verschiedenen Schauplätzen. Ich plädiere hier ja immer wieder dazu, bei einem Schauplatz- oder deutlichen Handlungswechsel ein neues Kapitel zu beginnen. Selbst wenn dann die entsprechenden Überschriften nicht so aussagekräftig sind, fällt es leichter, mal eben durch die Anfänge der Kapitel zu blättern – auch auf dem Ebook-Reader. Natürlich sind das letztendlich nur Formalien und schmälern in keinster Weise den Inhalt des Romans. Trotzdem glaube ich, das wäre wirklich einmal ein Thema für unsere Meckerecke.

Der Schreibstil des Romans ist durchaus anspruchsvoll zu nennen, auch wenn er sich (in weiten Teilen, siehe unten) gut lesen lässt. Ich musste aber bei den manchmal recht langen und verschachtelten Sätzen oft lächeln – und mich durchaus an die eigene Nase fassen ;-). Mein Schreibprogramm würde bei der Lesbarkeitseinschätzung wohl von Texten mit gehobenem Niveau sprechen. Aber dies soll keine Kritik sein, sondern passt gut zum Stil des Buches und der damaligen Zeit. Dieser Stil vermittelt noch zusätzlich Authentizität und lässt wahrhaftig in die zwanziger Jahre abtauchen.

Bitte keinen Dialekt!

Aber auch hier habe ich einen, diesmal leider etwas größeren, Kritikpunkt anzubringen, schließlich wollen wir auf unserem Blog durchaus deutlich unsere Meinung sagen – weichgespülte Rezensionen gibt es woanders 😉. Was mich wirklich gestört hat und das ganz stark, ist die Verwendung von Dialekt. Wer meine Artikel hier schon länger verfolgt, weiß vielleicht, dass das für mich ein rotes Tuch ist. Ich mag es einfach nicht, so aus meinem Lesefluss gerissen zu werden. Und das passiert unweigerlich, wenn ich den Satz noch einmal lesen muss, weil ich unwillkürlich stutze. Zitat: „Jo, ne, entweder et räänt oder de Schranken sin eraff.“ Natürlich verstehe ist diesen Satz, aber ich gerate ins Stocken. Lokalkolorit kann doch auch anders erzeugt werden, dazu braucht es solchen Dialekt nicht – zumindest für mich nicht!

Trotz dieser nun doch recht ausführlich gewordenen Kritik habe ich Emma mit großem Vergnügen während ihrer Ermittlungen begleitet. Bei all den liebgewonnen Figuren freue ich mich schon auf Teil 2 „Emma Schumacher & Der Salon des Todes“. Das klingt doch nach Dramatik und Spannung, oder nicht?
Außerdem habe ich mich wieder einmal über meine Indie-Challenge gefreut, bietet sie mir doch die Möglichkeit solche Selfpublisher-Perlen wie diese hier zu entdecken!

Fazit: Unterhaltsames und spannendes Lesevergnügen für Vintage-Fans. Emma wird euer Herz erobern!

Gerngelesen: 📚📚📚📚 4 von 5

Dieses Ebook wurde mir von der Autorin Andrea Instone im Rahmen einer LovelyBooks-Leserunde zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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