Astrid Korten: Wo ist Jay?

Cover Wo ist Jay? von Astrid KortenTitel: Wo ist Jay?

Autor: Astrid Korten

Genre: Psychothriller

Verlag: Indie

Seitenzahl der Printausgabe: 322 Seiten

Erscheinungsdatum: 18. Mai 2017

 

Im Aachener Stadtgarten wird eine junge Frau brutal überfallen und stirbt kurz darauf an ihren schweren Verletzungen. Als wenig später Mias Freundin Jay verschwindet, scheint sich niemand außer ihr im Freundeskreis Sorgen darüber zu machen. Selbst als sie eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen der Toten und Jay feststellt, will ihr nicht einmal Jays Mann glauben. Mia macht sich dennoch auf die Suche und findet dabei heraus, dass sie ihre Freundin gar nicht wirklich gekannt hat.

Die Bewertung dieses Buches fällt mir schwer – oder andererseits doch nicht. Ich bin ja stets gewillt bei Selfpublishern etwas milder zu urteilen. Ich weiß, dass sehen manche anders, aber ich bin der Meinung, ohne Verlag im Rücken ist eine Veröffentlichung natürlich schwieriger. Sicher sollte der Anspruch eines Selfpublishers in Richtung Verlagsautor gehen, aber auf der anderen Seite ist der Verdienst (meist) auch geringer. Hinzu kommt der – zumindest bei Ebooks – geringere Preis. Ich kann also durchaus zwei bis drei Bücher lesen, bevor ich die Kosten eines Verlagstitels erreiche.
Trotzdem gibt es neben dem Inhalt auf rein formaler Ebene einige Dinge für mich, die gar nicht gehen. Dazu gehören eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, aber auch eine ordentliche Formatierung – inklusive Inhaltsverzeichnis. Und da sind wir dann auch schon beim (einem) Problem dieses Buches angelangt.

Vor, zurück – oder doch nicht?

Die Geschichte lebt von ihren Zeitsprüngen. Das ist durchaus verwirrend und führt dazu, dass man als Leser schon gerne einmal zurückblättern möchte, wann was stattgefunden hat. Als EBook-Fan lese ich Belletristik ausschließlich auf meinem E-Reader. Im Augenblick ist mein aktuellstes Gerät ein Kindle Paperwhite. Folglich habe ich dieses EBook bei Amazon erworben und auf meinen Reader schicken lassen. Da staunte ich dann aber nicht schlecht, als es kein Inhaltsverzeichnis gab. Somit war ein Zurückblättern und nachschauen, wann was passiert ist, so gut wie unmöglich. Mir hat das fast von vornherein das Interesse an diesem Buch genommen. Später habe ich festgestellt, dass es in meiner Kindle App am Laptop sehr wohl ein Inhaltsverzeichnis gibt. Dieses ist aber auch nur teilweise hilfreich, werden doch die Kapitelüberschriften unterschieden in z. B. „Mia, Donnerstag, 2. November“ und „Doreen – vier Tage davor“ (wovor? – vor Jays Verschwinden? oder vor dem Mord im Stadtpark?). Zur Klärung eines zeitlichen Ablaufs hat das in meinem Fall nicht beigetragen.

Eher Drama als Psychothriller

Womit wir nun beim Inhalt angekommen wären. Ich habe gesehen, dass es bei Amazon viele gute Bewertungen für diesen „Psychothriller“ gibt. Ganz ehrlich, mir ist nicht klar, wieso. Ich finde die Geschichte nicht nur wegen des fehlenden Inhaltsverzeichnisses, sondern auch durch die Erzählweise viel zu verwirrend. Man nehme eine Handvoll durchgeknallter Figuren und füge abstruse Nebenhandlungen hinzu, die wohl von der eigentlichen Fährte ablenken sollen – was aber auch nicht so recht gelingt. Denn wenn es eine Person im Freundeskreis gibt, von der man so gut wie nichts erfährt, könnte da schon ein Verdacht aufkommen, oder seht ihr das anders? Über weite Strecken des Buches geht es eigentlich mehr um die seltsame Freundschaft zwischen Mia und Jay, die schon fast manische Züge annimmt. Da hätte ich als Genre „Drama“ schon eher angemessen gefunden. Als wäre dies der Autorin letztendlich auch aufgefallen, kommt es dann zu einem abstrusen Showdown.
Ich glaube, ich höre jetzt lieber auf, ehe ich mich noch mehr über das Werk aufrege. Immerhin habe ich dadurch ein weiteres Buch zu meiner Indie-Challenge hinzufügen können 😉.

Fazit: Mir doch wurscht, wo Jay ist!

Sorry, das Buch geht gar nicht! Das Schlechteste, was ich seit langem gelesen habe. Positiv ist für mich lediglich das Cover, das hat mich nämlich wirklich angesprochen. Hält aber leider nicht, was es verspricht.

Gerngelesen: 📚 von 5 (aber nur mit gutem Willen, weil das Schreiben ja auch Arbeit war, die ich anerkennen möchte)

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